seit tagen versuche ich, krampfhaft einen text zu finden
irgendwas tiefgründiges, was die leute denken lässt,
wow die hat einsicht
die hat schmerz erlebt und trauer
die weiss wovon sie redet
und keine worte finden können
ist erdrückend, es ist erstickend
du willst so viel sagen aber du weisst nicht wirklich was, oder wie, oder warum
und dann kann ich bloß warten, bis irgendeine welle von unsichtbarer energie meinen worthahn öffnet
und dann schreibe ich die texte in wenigen minuten als wüsste ich sie bereits auswendig
ich lese nicht viel, zugegeben, viel zu wenig, wenn ich an die person denke, die ich gerne sein möchte
aber bücher sind zu schwer für den koffer, und das ist eine der lächerlichsten ausreden überhaupt
ich bin hier, um meine eigene geschichte zu schreiben
aber wer sagt denn, dass sie jemand lesen möchte?
vielleicht denken ja alle anderen menschen auch nur an das gewicht ihres koffers,
vielleicht sind worte heutzutage belanglos, sie rutschen durch den kopf, flüssig und leicht verdaulich wie deutschpop,
weil sie unsere tiefsten ängste gar nicht im geringsten erreichen
aber schau, ich möchte worte finden, die nicht nur die tür zu der dunklen hinterkammer in deinem kopf eintreten
sie sollen ebenfalls die kiste mit den unerlaubten gedanken umwerfen
ein paar davon zertreten
und den rest an die wände nageln
sie sollen nicht schön sein, sie sollen dir den tag ruinieren
denn nur das bedeutet veränderung
wachstum
besserung
aber stattdessen sitze ich jeden abend vor einem weißen dokument
die eigene hinterkammer-gedankenkiste direkt daneben
umgekippt und durchwühlt
alle meine ängste verteilt um das weinglas
und alles, was bleibt, ist leere
eine kalte, schweigende leere
und sie starrt mich an von gegenüber
und ich kann nicht hinschauen
denn wer mich kennt, der weiß genau
wettkämpfe im anstarren verliere ich gnadenlos
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